Prostitution - Arbeit nicht wie jede andere

von Luise Winter

Zwei Jahre Prostituiertenschutzgesetz - eine Bilanz

Karlsruhe – 22.08.2019. Bereits seit fünf Jahren bietet das Diakonische Werk Karlsruhe in der Prostitution tätigen Frauen mit Luis.e – Beratungsstelle für Prostituierte ein allgemeines Beratungs- und Informationsangebot.

Am 01.07.2017 trat zum Schutz von Prostituierten sowie zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) in Kraft. Der Leiter des Diakonischen Werkes Karlsruhe, Wolfgang Stoll, sowie die Bereichsleitung der Beratungsstelle Luis.e – Beratungsstelle für Prostituierte, Anita Beneta, blicken zurück auf die vergangenen zwei Jahre und die Veränderungen der Arbeitsbedingungen für die Klient*innen der Beratungsstelle:

Von 2017 bis 2018 stiegen die Beratungsanfragen um 27,4%. Der größte Teil der von Luis.e beratenen Frauen kommt aus Bulgarien, Ungarn, Rumänien, Asien und Südamerika und lebt noch nicht lange in Karlsruhe. Diese Frauen arbeiten aufgrund von Armut in der Prostitution. Sie kommen wegen fehlender Sprach- und Behördenkenntnisse sowie fehlender Bildung im Hilfesystem nicht weiter und sind auf die Beraterinnen von Luis.e angewiesen.

Luis.e hat zur Unterstützung der Frauen für Schriftverkehr und Behördenangelegenheiten das Angebot der Postadresse eingeführt. Denn die Frauen verfügen über keine Wohnadresse, da sie häufig an ihrem Arbeitsplatz wohnen. „Zusätzlich hat das Diakonische Werk Karlsruhe seit Anfang 2019 für die Beratungsstelle zwei Rumänisch und Bulgarisch sprechende Sozialarbeiterinnen eingestellt, um die Frauen in ihrer Muttersprache leichter zu erreichen“, berichtet Wolfgang Stoll.

Große Schwierigkeiten haben Frauen mit Migrationshintergrund weiterhin mit der Steuererklärung. Auch ein vereinfachtes Steuerverfahren für Prostituierte, das Düsseldorfer Verfahren, ist in der Praxis für diese Frauen keine Erleichterung, da es nicht bundesweit angeboten wird, häufig die Wohnadresse angegeben werden muss und auch hier Sprach- und Behördenkenntnisse erforderlich sind.

Im gesundheitlichen Bereich bleibt die fehlende Krankenversicherung der Frauen mit Migrationshintergrund ein großes Problem. Sie können sich die Beiträge nicht leisten, die besonders hoch sind, weil sie durch die Prostitution zu einer Risikogruppe zählen. Zusätzlich halten fehlenden Sprachkenntnisse und eine generelle Unsicherheit gegenüber offiziellen Stellen die Frauen ab, Kontakt zu einer Krankenkasse aufzunehmen. Dies betrifft auch schwangere Prostituierte, die aufgrund fehlender Alternativen weiterhin in der Prostitution tätig sind. 

Die Frauen benötigen einen einfacheren Zugang in das Gesundheitssystem.

Als Erfolg des ProstSchG wird von den Frauen wahrgenommen, dass die Kunden seitdem verpflichtet sind, Kondome zu tragen.

Seit der Einführung des ProstSchG benötigen Prostitutionsgewerbe eine behördliche Erlaubnis. Diese Erlaubnis erhalten sie erst nach der Umsetzung bestimmter Schutzkonzepte für Prostituierte. Bedauerlicherweise sieht das Gesetz jedoch noch immer keine Schutzkonzepte für Prostituierte auf dem Straßenstrich vor.

Insgesamt hat sich die Lebensqualität für Prostituierte in Karlsruhe nicht nachhaltig verbessert. Frauen ohne Migrationshintergrund sowie bereits gut integrierte Frauen mit Migrationshintergrund empfinden die Gesetzesneuerungen aufgrund der Meldepflicht als Verschlechterung. Im Gegensatz zu Frauen mit Migrationshintergrund, die nicht gut integriert sind, haben sie jedoch Alternativen zur Prostitution und informieren sich bei Luis.e vermehrt zum Thema Ausstieg. Frauen mit Migrationshintergrund, die nicht gut integriert sind, verstehen ihre Rechte und Pflichten meistens nicht. Sie benötigen Aufklärung in ihrer Muttersprache sowie Alternativen zur Prostitution, um aussteigen zu können.

„Das Diakonische Werk Karlsruhe ist deshalb aktuell in der Planung zweier Ausstiegsappartements, um die Frauen beim Ausstieg zu unterstützen“, erklärt Wolfgang Stoll. „Die Frauen benötigen außerdem generell vereinfachte Ausstiegshilfen - bezahlbarer Wohnraum, Zugang zu Deutschkursen, Zugang zum Arbeitsmarkt sowie Begleitung bei der Integration in die Gesellschaft“, fügt Anita Beneta hinzu. „Frauen mit Migrationshintergrund, die in der Prostitution tätig sind, benötigen zudem dringend Traumaberatung in ihrer Muttersprache.“

Luis.e – Beratungsstelle für Prostituierte bietet Einzelfallhilfe, aufsuchende Arbeit auf dem Straßenstrich und den Etablissements sowie Beratung zu Gesundheits- und Gewaltprävention. Die Beratungsstelle feiert am 25. Oktober 2019 ihr fünfjähriges Jubiläum. (Text: Diakonisches Werk Karlsruhe/lvk)

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